Erstaunliches vom Bläserquintett "Brassador"
Ensemble spannte einen fantastischen Bogen von Bach zu Gospel, Jazz und Evergreens
So unterschiedliche Musik begegnet einem selten innerhalb des Konzertes eines einzigen Ensembles. Am Samstagabend versetzte das Bläserquintett "Brassador" aus Köln in der evangelischen St-Jakobs-Kirche (am Abend zuvor auch schon in der Evangelischen Stadtkirche Rastatt) mit seinem außerordentlichen Können das Publikum ins Staunen.
Die Begeisterung für die Musik stand den jungen engagierten Musikern ins Gesicht geschrieben. Alle fünf haben ein Musikerdiplom in der Tasche und sind Profis auf ihren Instrumenten. Währden in der ersten Konzerthälfte Werke von Johann Sebastian Bach und Victor Ewald auf dem Programm standen, ließ der anschließende Mix aus Jazz, Gospel und Evergreens die Zuhörer nicht mehr still auf den Kirchenbänken verharren; ob mit dem Kopf ode rmit den Füßen - viele ließen sich zum Mittwippen animieren.
Kräftiger Applaus belohnte das junge Blechbläserensemble, das sich im vergangenen Jahr zusammenfand, um eigene musikalische Vorstellungen zu verwirklichen. Leiter ist Sebastian Deimen, der Sohn des Gernsbacher Kantors und Posaunenchorleiters Friedemann Schaber, der die Begrüßung vornahm.
Bedächtig und feierlich begann das Quintett aus Martin Schädlich (Trompete), Bosco Pohontsch (Trompete), Posaune (Sebastian Deimen), Waldhorn (Kathrin Szasz) und Tuba (Michael Siegel) mit dem Choral "Wie schön leuchtet der Morgenstern" von Johann Sebastian Bach (1685-1750).

Eine differenzierte Klangfülle - vergleichbar einem Streichorchesters - zauberte das Bläserensemble bei einer Bearbeitung (von Hannes Mück) des "Italienischen Konzertes F-Dur BWV 971" hervor. Martin Schädlich führte den Solistenpart auf der hell klingenden Piccolo- Flöte aus, die Tuba fungierte quasi als Continuo.

Später intonierte "Brassador" eine Transkription von Bachs berühmter Orgel- Fuge in g-Moll BWV 542. Die beiden optisch den Rahmen bildenden Trompeter führten behutsam das Fugenthema ein, Posaune, Horn und Tuba folgten und imitierten es kunstvoll.Alle Musiker nutzten die Gelegenheit, ihre virtuose Instrumentenbeherrschung zu zeigen und in präzisem, dynamischen Zusammenspiel zu glänzen.

Sehr deutlich wurde Bachs klangliche und strukturelle Eleganz offen gelegt. Als Höhepunkt des Abends erklang ein Paradestück für Bläserquintett, das "Brass Quintett No. 3" des russischen Komponisten, Cello- und Tubaspielers Victor Ewald (1860 - 1935). Sehr feinsinnig arbeiteten die fünf Musiker den Motivschatz des viersätzigen spätromantischen Wwerkes aus, das als "kleine Symphonie" gelten darf. Die klangliche Farbigkeit und die Dichte kam in dem Kirchenraum mit seiner gut tragenden Akustik prrächtig zur Geltung.
"One two, one two, three, four" - mit dieser Aufforderung begann der gänzlich unterschiedliche zweite Teil des Abends, in dem die Bläserprofis ihr erfrischendes Talent auf dem breiten Feld der Unterhaltungsmusik bewiesen.
Arrangements von gute Laune verbreitenden Ohrwürmern wie "Alexanders's Rragtime Bband", "Mr. Sandman" wechselten sich mit eher melancholischen Weisen wie "Yesterday" oder dem Gospel "Just A Closer Walk" ab, der in einem wilden Tanz endete.
Duke Ellingtons schwingender Sound war bei "It Don't Mean A Thing" spürbar, ebenso auch beim Frank-Sinatra-Song "You Make Me Feel So Young". Beim Spiritual "Deep River" sorgte die Tuba für viel Tiefe, bevor eine mitreißende Dixie-Variante von "That's A Plenty" das vielseite Konzert beschloss.
Johannes Brahms' "Wiegenlied" begleitete als Zugabe die begeisterten Zuhörer nach Hause.
(Irene Schneid-Horn)